Jeder Christ ein Missionar?

Thema: Zum Glauben einladen...

"Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." So stet's im Evangelium nach Johannes im 13. Kapitel. Was kann es für eine großere Liebe geben, als seinen Nächsten von der Befreienden Botschaft zu erzählen, von dem, dessen Liebe noch großer ist, der die Liebe in Person ist.

Es stellt sich gar nicht die Frage, ob jeder Christ auch ein Missionar ist - jeder Christ ist dazu berufen, missionarisch zu, von der Guten Nachricht weiterzuerzählen, Licht und Salz in der Welt zu sein. Das kann auf ganz unterschiedlicher Weise geschehn. Die einen klettern auf eine Apfelkiste und predigen das Evangelium in der Fußgängerzone, andere gründen einen Gebetskreis in der Schule und wiederum andere arbeiten für ein paar Jahre oder Monate in einer Missionsstation oder einem Krankenhaus in Übersee. Dabei kann die Mission auch schon vor Ort beginnen: Mission beginnt an der Haustür. Und auch die Formen können ganz unterschiedlich sein. Mission ist für mich die zentrale Lebensäußerung der Kirche. Alle Handlungsfelder der Kirche wie Diakonie, Verkündigung... selbst Jugendarbeit oder Studierendenarbeit sind letztendlich verschiedene Formen und Variationen von Mission. Schon allein der Lebenswandel der Gemeinde gibt Zeugnis vom Christsein. Die Gute Nachricht hat sich sicherlich nicht allein dadurch weltweit verbreitet, dass Petrus ein guter Prediger oder Paulus ein netter Briefeschreiber war, denn Wanderprediger und neue Sekten gab es damals wie heute in großer Zahl. Dass, was die Mission der ersten Christen so erfolgreich werden ließ, war mit Sicherheit auch das authentische Leben der Gemeinden oder Gemeinschaften. Die Nächstenliebe, die Fürsorge für die Schwachen, die Aufgeschlossenheit gegenüber den Sklaven und die Überwindung pharisäischer Tabus machten die ersten Christen mit ihrer neuen Botschaft glaubwürdig. In der jüngeren Kirchengeschichte hat Johann Hinrich Wichern diese Form der Verkündigung durch diakonisches Handeln die "Innere Mission" genannt. "Evangelium mit den Händen" lautete das Motto in den von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Aber zur Mission gehört eben auch das konkrete weitergeben der Befreienden Botschaft. Nicht jeder muss dabei ein Star-Evangelist sein oder werden - jeder kann seinen Platz an anderer Stelle in der Mission haben: Im Missionswerk, in der sendenden Gemeinde, in der Unterstützung zur Gebet oder Spenden, und und und...
Der Begriff Mission sollte dabei heute nicht mehr mit Kolonisations oder Unterdrückung fremder Kulturen verwechselt oder mißverstanden werden - Mission heute ist Partnerschaft vor Ort, um gemeinsam zum Glauben an Jesus Christus einzuladen. Mission heißt hier insbesondere auch Dialog und Kooperation mit den Christen, die es schon vor Ort oder in der Region gibt.
Und diese Partnerschaft reicht auch soweit, dass inzwischen mehr Missionare aus Afrika oder Asien (insbesondere aus Südkorea) nach Deutschland kommen als umgekehrt. Und ich finde es wichtig zu begreifen und wahrzunehmen, dass das damalige Land der Reformation mittlerweile zu einem Missionsland geworden ist. Und genau hierbei sind nicht nur die vielen Missionare gefordert, die nach Deutschland kommen, sondern auch wir - die schon vor Ort. Evangelisation ist hier ein Schlüsselbegriff. Die röm.-kath. Kirche spricht sogar von einer Re-Evangelisation (Enzyklika Redemptoris Missio von Papst Joh. Paul II.), und diese Formulierung bringt es auf den Punkt: Es gilt wieder, die Menschen auch in unserem Lande zum Glauben einzuladen und sie für die Gemeinschaft der Glaubenden zu begeistern. Und dazu ist es nötig, dass wir auch auf die Menschen zu gehen - nur die Kirchentüren am Sonntagvormittag öffnen reicht hier nicht aus. Mission beginnt schon vor der Haustür, man muss nicht unbedingt nach Afrika fliegen, um Menschen zu gewinnen."

"Und Jesus trat herzu und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern: Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." 

Matth 28, 18-20 (nach einer Übersetzung von Martin Luther)

Mission ist für mich...

"die zentrale Lebensäußerung der Kirche. Alle Handlungsfelder der Kirche wie Diakonie, Verkündigung... selbst Jugendarbeit oder Studierendenarbeit sind verschiedene Formen und Variationen von Mission. Der Begriff Mission sollte dabei heute nicht mehr mit Kolonisations etc. verwechselt oder mißverstanden werden - Mission heute ist Partnerschaft vor Ort, um gemeinsam zum Glauben an Jesus Christus einzuladen."

Stefan Bölts, Marburg

Moderator auf der GMC

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